Objo, ein Visual Basic Klon?

Anfang der neunziger, als Windows 3.X noch aktuell war da brachte Microsoft eine Programmierumgebung auf den Markt, die das Verständnis von Windows-Programmierung grundlegend änderte und es Neueinsteigern ermöglichte, schnell und einfach mit dem Programmieren zu starten: Visual Basic.
Visual Basic 6 Ende der 90'er war dann der Peak. Zwar ist Visual Basic heute noch in Visual Studio integriert, führt aber dort ein Schattendasein.
Ich habe 1999 auf den Mac gewechselt und dann mit Realbasic angefangen, damals in Deutschland noch vertrieben von Application Systems Heidelberg. Preislich war es sehr günstig und einsteigerfreundlich.
Realbasic wurde 2007 zu Xojo und inzwischen "erwachsen". Leider opferten die Macher von Xojo den Otto-Normalprogrammierer und BASIC-Liebhaber. Nicht zuletzt der Preis schreckt ab: 499 für eine Plattform, wer neben seiner Plattform auch andere (Windows, MacOS, Linux, Web) bedienen möchte, der muss einen Tausender bezahlen.
Purebasic/Spiderbasic ist immer noch meine Nummer eins, könnte aber bei Visuellem Programmieren schon bald Konkurrenz bekommen.
Objo ist ein modernes BASIC
Ja, denn Objo als Programmiersprache ist syntaktisch auf BASIC aufgebaut, hat aber auch einige Anleihen aus SMALLTALK (Alles ist ein Objekt).
Objo gibt es seit Mai 2026 und wird von Garry Pettet betreut, es ist keine One-Man-Show, aber Bugfixes kommen schnell und die IDE und der visuelle Designer ist sehr übersichtlich. Die Sprache "Objo" (der Name ist nur zufällig ähnlich mit Xojo 😀) ist für BASIC-Entwickler sehr einfach zu verstehen. Wer schon mal mit Xojo gearbeitet hat (oder Realbasic in seinen Ursprüngen kennt), versteht Objo.
Das Konzept ist einen leicht zu verstehenden Code, ohne massiven Gebrauch von Sonderzeichen. Das ist Objo gelungen und hat mich sofort abgeholt.
Der Visuelle Editor ist rund, snappy und hat eine große Bibliothek an Controls.

Eine sehr umfangreiche Hilfe rundet das Programm ab.
Es ist möglich Webanwendungen, Desktop und Kommandozeilenanwendungen damit zu schreiben.
Lizenz, Preis und Verfügbarkeit
Man kann Objo Studio von hier herunterladen. Ohne Lizenz kann man Webanwendungen entwickeln und sie auch hochladen (auf den Testserver, wenn man einen hat). Auch Desktop- und CLI- Anwendungen kann man laufen lassen.
Eine Lizenz braucht man nur zu kaufen, wenn man die Anwendung sowohl bauen als auch veröffentlichen will. Die Lizenz gilt für alle Updates innerhalb eines Jahres, nach Ablauf des Jahre kann man aber weiterhin Anwendungen veröffentlichen, bekommt nur keine aktuellen Updates mehr.
Die Lizenz kostet 129 £ (CA. 170 €) und ist meiner Ansicht nach fair.
Während die meisten Entwicklungsumgebungen Xcode voraussetzen, benötigt es für Objo Studio keine Installation (allerdings wenn man vorhat seine Anwendung auf dem Mac zu verkaufen, oder in den Mac Appstore zu bringen, benötigt man eine Developer Lizenz von Apple).
Fazit
Endlich gibt es wieder eine vernünftige RAD-Umgebung. Ja, es gibt Lazarus für Pascal aber die Installation ist komplex und man kann nicht wissen, ob Apple in der nächsten Version wieder irgendetwas grundlegend umbaut und Lazarus bzw. FreePascal dann wieder spinnt.
BASIC mag ja den meisten verpönt sein, doch hat BASIC immer noch eine große Fangemeinde und vieles, wofür man sonst eine fette Entwicklungsumgebung benötigt kann man hier mit einfachen Mitteln entwickeln.
Fünf von fünf Sternen
